ein tier

im innern meines wesens lebt ein tier. ein dunkles, abstossendes, hässliches tier.
oft schläft es. zusammengerollt am boden meiner seele.
aber manchmal ist es wach. es dehnt die engen wände meines innern, versucht auszubrechen. einfach raus.
es tobt und brüllt. beisst und kratzt.
und wenn ich es nicht rauslasse, beginnt es sich selbst zu verletzen.
wenn es ihm trotzdem gelingt auszubrechen, eintlädt sich seine ganze wut in einem donnernden wolkenbruch.
bis es erschöpft ist und sich wieder verkriecht um zu schlafen.
wenn es frei leben würde, gäbe es keine ausbrüche. keine selbstzerstörung. keine verletzungen. es wäre glücklich. hell und schön.

es ist auch nur ein tier.
tiere sollte man nicht einsperren.
erdkind - 22. Mai, 16:40

das klingt...

... beängstigend. aber ich kenne das. ich denke, die meisten menschen sperren gewisse dinge in sich ein. hass, aggressionen, das trötzelnde kind in uns, ... mein gott, es gibt so vieles. eigentlich gehören all diese dinge zu uns, aber wir bewerten sie negativ und deshalb sperren wir sie ein. wir denken, sie seien müll, unanständig, dreist, unangepasst, unvorteilhaft, beleidigend, sadistisch, masochistisch... das unterbewusstsein muss sie unter verschluss halten, und das ist relativ anstrengend.
dennoch gehört es vielleicht einfach zum leben. man muss einfach darauf achten, dass das tier nicht zu gross wird und einen zu beherrschen beginnt. hin und wieder musst du dir freiräume schaffen, in denen du druck ablassen kannst, zum beispiel am wochenende... ;-)

schenke deiner sonnigen seite beachtung, wenn das tier wieder mal raus will... tu was verrücktes.
wenn ich dieses tier spüre, wie es sich zu räkeln beginnt und jede lappalie in einem ausbruch enden könnte, dann gehe ich in unseren schuppen zuhause und schlage einen nagel in ein brett. es sind schon recht viele nägel drin und jedesmal, wenn ich das brett ansehe, nachdem ich wieder mal einen nagel reingehämmert hab, erinnert mich jeder nagel an die genugtuung, die ich fühlte, als ich ihn einschlug. das gefühl ist nicht gross, jedesmal, wenn ich wieder mal wutentbrannt zum hammer greife, aber es hilft mir, mich zu konzentrieren. ich hab mir noch nie auf den daumen gehämmert! In diesem moment , wenn ich den hammer über das brett und den nagel erhebe, weiss ich genau, was ich tue. die wut ist nicht mehr diffus, sie zentriert sich. auf diesen nagel und den hammer in meiner rechten hand. auf das brett, in dem der nagel wie in butter versinken wird. eigentlich könnte ich genau da aufhören. denn schon in dem moment ist die wut nur noch halb so gross, wenn nicht schon fast relativiert.
es geht mir jedesmal nach diesem ritual besser.

ich denke, jeder mensch muss sich eigene rituale oder verhaltensweisen zulegen, mit denen er/sie sich luft machen kann ... ich kanns dir nur raten, hoffentlich klingt das für dich nicht überheblich - es ist ein rat. dir so was zuzulegen.

ich wünsche dir noch einen schönen abend, bis morgen mittag!

stella nera - 22. Mai, 22:28

danke!

das mit dem nagel ist ein guter tipp! ich suche schon lange so ein ritual. mein problem ist oft, dass ich die wut nicht rauslasse und sie dann an mir nagt. und wenn ich dann gelegenheit hätte, ist sie nicht mehr da.
ich finde es gut, dass du deiner wut so direkt luft machst. ich würde manchmal gerne jemanden anschreien, aber ich mach es dann doch nie. weil ich warte, bis der andere merkt, dass ich genervt bin.
ich sollte ehrlicher sein. öfter sagen, wenn mich etwas stört. in dieser hinsicht kannst du mir echt ein vorbild sein! :-)

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auch ich bin nur eine verlorene, irrende, suchende. werde ich jemals finden? und trotzdem: entspanne, geniesse, lebe! musik, im gras liegen und in die sonne blinzeln...

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